20. November 2020 - 19. März 2021

 16. November 2020

Artikelreihe "S/4HANA": Der Weg zu SAP S/4HANA (Teil 1)

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Mit der Einführung der neuen HANA-Enterprise-Plattform, deren Kern die neue In-Memory-Datenbank SAP HANA (High Performance Analytic Appliance) darstellt, vollzieht SAP einen grundsätzlichen Paradigmenwechsel, der sich auch in der neuen SAP S/4HANA-Lösung widerspiegelt. SAP S/4HANA macht sich die vielen Vorteile der SAP HANA-Datenbank zu Nutze und bietet Unternehmen schnellere Verarbeitungsprozesse, geringeren Datenspeicherbedarf, vereinfachte Datenmodelle und Geschäftsprozesse sowie eine völlig neue Dimension der Unterstützung bei operativen Entscheidungsfindungsprozessen. Im ersten Teil unserer Artikelreihe stellen wir euch die Datenbank SAP HANA und den Weg zur S/4HANA Anwendung vor. 

Die Geschichte zu SAP HANA begann im Jahr 2005. SAP erforschte zu dieser Zeit die Möglichkeiten, neue Anwendungen für In-Memory-basierte Datenbanken zu entwickeln und musste feststellen, dass traditionelle Datenbankanbieter die hierfür notwendigen Anforderungen nicht erfüllen konnten. Daraus entstand dann in Kooperation mit dem Hasso-Plattner-Institut an der Universität Potsdam und mit führenden Chip-Herstellern ein Projekt, in dem ein neues Datenbankdesign entwickelt werden sollte, welches das volle Potential der neuesten Generation von Multi-Core-Prozessoren in Verbindung mit einer auf RAM-basierten Speicherarchitektur ausschöpfen könnte. Ziel war es, für die Anwendungen der nächsten Generation eine Datenbank zur Verfügung zu stellen, die sehr große Datenmengen für analytische Anwendungen sekundenschnell lesen und Analyseergebnisse kalkulieren kann. Gleichzeitig sollte es für transaktionale Aufrufe operativer Systeme für den schnellen lesenden und schreibenden Zugriff eingesetzt werden können. 

Im Jahr 2011 kam dann die erste Version von SAP HANA auf den Markt. Zunächst wurde sie als Data-Mart-Lösung, das heißt als ein Auszug bzw. eine Kopie eines Teildatenbestandes innerhalb eines Data Warehouse (DW), positioniert. Kunden sollten damit in die Lage versetzt werden, Daten aus unterschiedlichen Quellsystemen in Echtzeit zu extrahieren und Business-Intelligence-Berichte (BI) und -Anwendungen auf Basis dieser Datenbank zu erstellen. Entsprechend waren Business-Intelligence-Anwendungen (und damit auch SAP BW) die ersten Anwendungen, die von dieser schnellen Datenbanklösung profitierten. Im nächsten Schritt wurde SAP HANA als so genannte Side-Car-Datenbank zur Beschleunigung bestimmter Anwendungen eingesetzt. Dabei handelt es sich um eine Datenbank, die parallel zu der primären Datenbank eines Anwendungssystems eingesetzt wird, auf der verarbeitungsintensive Prozesse ausgelagert werden. Parallel dazu hat SAP damit begonnen weitere neuartige SAP-HANA-Anwendungen zu entwickeln, die eine hohe Prozessorleistung und schnelle Datenlese- und Datenverarbeitungskapazitäten benötigen. Beispiele hierfür sind Smart Meter Analytics für die Analyse intelligenter Stromnetze und Oncolyzer für die Analyse medizinischer Daten. 

Ein großer Meilenstein wurde im Jahr 2012 erreicht, als mit dem SAP Business Warehouse powered by SAP HANA die erste komplette SAP Business Suite-Anwendung auf der neuen SAP HANA-Plattform aktiviert wurde. Mit der Veröffentlichung von der SAP Business Suite powered by SAP HANA im Jahr 2013 hat SAP dann die volle Funktionalität der SAP Business Suite (SAP ERP, SAP CRM, SAP SCM, SAP BW, etc.) auf die neue SAP HANA-Plattform gebracht. Dazu hat SAP die Business Suite-Anwendungen auf die SAP HANA-Plattform übertragen und den Code der Anwendungen konvertiert, so dass die Geschwindigkeitsvorteile der HANA-Datenbank für die Geschäftsprozesse und Berichtsaktivitäten der traditionellen Anwendungen verwendet und eine deutlich bessere Performance gegenüber relationalen Datenbanken erzielt werden konnten. Zu diesem Zeitpunkt war SAP der einzige Softwareanbieter auf dem Markt, welcher SAP Business Suite-Kunden ermöglichte, Transaktionen und Analyse auf einer einzelnen In-Memory-Plattform zusammenzubringen. Die aus der Business Suite auf die HANA-Plattform migrierten Anwendungen werden von der SAP mit „powered by SAP HANA“ oder „on HANA“ bezeichnet, z.B. Suite on HANA (SoH) oder SAP BW on HANA. SoH sollte jedoch nicht mit SAP S/4HANA verwechselt werden. 

Im Jahr 2014 hat SAP mit der Entwicklung einer neuen Business Suite angefangen. Als Startpunkt dieser Entwicklung ist S/4HANA Simple Finance anzusehen. Hierbei wurde der gesamte Code der klassischen SAP ERP-Anwendungen SAP FI und SAP CO von Grund auf neu geschrieben, damit die neue Anwendung nativ auf SAP HANA laufen und alle Potentiale (Anwendungsvereinfachung, Speicherbedarfsreduzierung, Geschwindigkeitsvorteile, etc.) der Datenbank vollständig ausschöpfen kann. Nach und nach wurden dann auch weitere SAP Business Suite-Anwendungen in den neuen nativen Code überführt, was dann im Jahr 2015 im ersten Release von SAP S/4HANA (1511) mündete. SAP S/4HANA ist damit der Startschuss für eine grundlegend neue SAP Business Suite. Nativ bedeutet dabei in diesem Zusammenhang, dass der neu geschriebene Code nur auf der SAP HANA-Datenbank lauffähig ist. Dadurch konnte SAP aber auch eine Anwendung entwickeln, die frei von jeglicher Restriktion anderer Datenbankanbieter ist. S/4HANA muss im Gegensatz zur klassischen Business Suite (auch als Suite on AnyDB bezeichnet) nicht auf jeder Datenbanklösung lauffähig sein, wodurch die Datenmodelle und das Anwendungsdesign einfacher gehalten und kein unnötiger Code implementiert werden muss. Das bedeutet aber auch, dass Unternehmen, die S/4HANA einsetzen wollen, dies nur zusammen mit der SAP HANA-Datenbank tun können. SAP-Kunden, die Datenbanklösungen anderer Datenbankanbieter verwenden wollen, können nur die klassische Business Suite (auch als Suite on AnyDB bezeichnet) nutzen und müssen auf die enormen Leistungssteigerungen und Potentiale von S/4HANA verzichten.

 

von R/2 zu S/4HANA 

 

Im nächsten Teil der Reihe lest ihr, was SAP S/4HANA ist und welchen Nutzen sie hat. 


von Gohar Zatrjan 



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